Ausgewählte Einzelthemen

Dass Feuerwehrangehörige tagsüber nicht in genügender Anzahl an ihrem Wohnort für den Feuerwehreinsatz verfügbar sind, ist für die Feuerwehren zwar kein neues Problem, doch es hat mittlerweile ein nahezu flächendeckendes Ausmaß angenommen.  Die Tagesalarmunsicherheit hat auch die Feuerwehren erreicht, die bisher noch mit der so genannten „gerätebezogenen Mannschaftsstärke“ ausrücken konnten. Bei gegebener Tagesalarmunsicherheit können die folgenden Lösungsansätze den Freiwilligen Feuerwehren vor Ort und den Gemeinden als deren Aufgabenträger zur Problemlösung dienen:

Verwendung von Universalfahrzeugen für die Technische Hilfeleistung und Brandbekämpfung sowie Staffelfahrzeugen mit einer Besatzung von sechs Feuerwehrangehörigen, um mit weniger Personal aber höherwertiger Technik den erforderlichen Sicherheitsstandard halten zu können.

Frauen und andere gesellschaftlichen Gruppen wie beispielsweise Bürger mit Migrantionshintergrund gleichberechtigt in die Freiwilligen Feuerwehren aufnehmen.

Alarmierungsgemeinschaften bilden, das heißt, die Alarm- und Ausrückeordnung so strukturieren, dass mehrere örtliche Einheiten bei einem Einsatz gleichzeitig alarmiert werden, um mit einer ausreichenden Mannschaftsstärke gemeinsam wirksame Hilfe einleiten zu können.

Doppelmitgliedschaft in der Feuerwehr des Wohnortes und in der Feuerwehr des Ortes, in dem sich die Arbeitsstelle befindet, ermöglichen und fördern.

Unterstützung des Ehrenamtes durch das Hauptamt, das heißt, hauptberufliche Kräfte für die größeren Feuerwehren mit Stützpunktaufgaben in den jeweiligen Gemeindeverwaltungen einstellen und beschäftigen. Diese Einsätzkräfte können sowohl Bagatell- und Kleineinsätze allein abwickeln, als auch als so genannter „erster Abmarsch“ Sofortmaßnahmen ergreifen, die durch die freiwillig-ehrenamtlichen Einsatzkräfte der „zweiten Welle“ ergänzt werden.

Durch die Verlängerung des Dienstalters von freiwilligen Feuerwehrleuten auf 63 Jahre und deren Einsatz im rückwärtigen Bereich können junge Feuerwehrangehörige für den Einsatzstellendienst freigesetzt werden.

Der Mitgliederschwund durch die demografische Entwicklung macht auch vor den Feuerwehren nicht halt. In den deutschen Feuerwehren verharrt die Mitgliederzahl auf hohem Niveau oder fällt leicht. Noch bringen sich 1,1 Mio. Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ein, um freiwillig-ehrenamtlich einen wesentlichen Beitrag zur Inneren Sicherheit im Brandschutz, der Allgemeinen Hilfe und im Katastrophenschutz zu leisten, in Rheinland-Pfalz sind dies etwa 55.000 Feuerwehrangehörige. Zwischen den Jahren 2000 und 2007 ist die Zahl der  Aktiven in den Feuerwehren um etwa 5.000 Feuerwehrangehörige geschrumpft und stagniert auf hohem Niveau. Noch mussten Feuerwehren nicht in größerer Zahl aufgelöst und durch sogenannte „Pflichtfeuerwehren“ ersetzt werden; dies trat bisher nur in Einzelfällen ein. Damit es bei diesen Einzelfällen bleibt und der Mitgliederschwund sich auch nicht noch durch die demografische Entwicklung verschärft, können die folgenden Lösungsansätze durch die Freiwilligen Feuerwehren und die Gemeinden als deren Aufgabenträger aufgegriffen werden:

Gründung von Jugendfeuerwehren zur Nachwuchsgewinnung. Derzeit sind in Rheinland-Pfalz etwa 12.500 Jungen und Mädchen in 1.100 Jugendfeuerwehren aktiv; 2004 waren es noch 14.000. Der Anteil von Mädchen beträgt in den rheinland-pfälzischen Jugendfeuerwehren rund 20 % und entspricht dem Bundesdurchschnitt.

Mit der Herabsetzung des Eintrittsalters in die Jugendfeuerwehr von 12 auf 10 Jahre hat das Land bei der Novellierung des Brand- und Katastrophenschutzgesetzes im Jahr 2005 einen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität geleistet.

Seit Dezember 2006 können Vorbereitungsgruppen für die Jugendfeuerwehr, so genannte „Bambini-Feuerwehren“ gegründet werden, in denen auch Kinder unter 10 Jahren „spielerisch“ an die Feuerwehr herangeführt werden.

Erleichterung des Übertritts von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilungen
In Rheinland-Pfalz verbleiben zwischen 20 und 30 Prozent der jungen Feuerwehrleute nach dem Wechsel in der aktiven Wehr - der Durchschnitt auf der Bundesebene liegt bei 6 - 8 Prozent. Damit dieser Übertritt reibungslos vollzogen werden kann und die jungen Feuerwehrleute möglichst lange im aktiven Dienst verbleiben, hat die Jugendfeuerwehr Rheinland-Pfalz mit dem Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz e. V. unter Beteiligung des Landes die beispielhafte Aktion „Aus zwei mach’ eins!“ geschaffen. Diese Aktion trägt dazu bei, dass die Führungskräfte der aktiven Einsatzabteilungen die Jugendlichen noch besser als bisher integrieren.

Die grundsätzliche und flächendeckende Öffnung der Freiwilligen Feuerwehren für Frauen und Mädchen; und zwar vollkommen gleichberechtigt und nicht als „Lückenbüßerinnen“ für fehlende Männer!  Eine entsprechende Werbekampagne hat der Deutsche Feuerwehrverband mit der Unterstützung der Landesfeuerwehrverbände durchgeführt.

Autor: Hans-Peter Plattner Drucken voriges Kapitel nächstes Kapitel