Bilanz des Feuerwehrwesens

Insgesamt fällt die Bilanz des rheinland-pfälzischen Brand- und Katastrophenschutzes zufriedenstellend aus. Mit den derzeit vorhandenen Rettungs- und Einsatzmitteln sind die Feuerwehren derzeit flächendeckend in der Lage, innerhalb der Einsatzgrundzeit von acht Minuten wirksame Hilfe einzuleiten und bei Schadens- und Gefahrenlagen größeren Umfangs das notwendige Einsatz- und Führungssystem aufzubauen.

Die Organisation der zivilen nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr in Rheinland-Pfalz ist als gut zu bewerten. Auf der Grundlage des Brand- und Katastrophenschutzgesetzes (LBKG), der Feuerwehrverordnung (FwVO), den Rahmen-Alarm- und Einsatzplänen (RAEP) und den einschlägigen Normen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein eng verzahntes und sich gegenseitig ergänzendes Gefahrenabwehrsystem entwickelt. Dabei wirken die Einsatzkräfte und -mittel der Gemeinden, der Landkreise und kreisfreien Städte sowie des Landes und des Bundes eng zusammen. Der interkommunalen Zusammenarbeit kommt dabei - insbesondere im Hinblick auf die angespannte Haushaltslage der öffentlichen Hand - eine hohe Bedeutung zu.

Die Kommunen nehmen zum überwiegenden Teil den Brand- und Katastrophenschutz als Pflichtaufgabe der Selbstverwaltung wahr, sodass die Probleme auch dort gelöst werden können, wo sie entstehen. Daneben erfüllt das Land die zentralen Aufgaben im Brand- und Katastrophenschutz. Rechtsvorschriften des Landes und insbesondere die Rahmen-, Alarm- und Einsatzpläne, als Rahmenempfehlungen des Landes, garantieren die erforderliche Einheitlichkeit in der Organisation, der Ausbildung und der Ausrüstung. Sie gelten nach wie vor als vorbildlich, was andere Länder (zum Beispiel Hessen und Thüringen) bewogen hat, ähnliche Regelungen zu treffen.

Die Ausrüstung der zivilen nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr der Feuerwehren ist aus Sicht des Landes als ausreichend zu bewerten. Erfahrungen auf der Bundesebene zeigen, dass das Durchschnittsalter der Einsatzfahrzeuge bei 16 Jahren liegt, allerdings ist ein Drittel der Fahrzeuge wesentlich älter als 20 Jahre. Bei der Aussonderung von Einsatzfahrzeugen werden auch Spitzenwerte von 35 Jahren erreicht. Daraus kann aber auch abgeleitet werden, wie pfleglich die Feuerwehren mit ihren Fahrzeugen umgehen.

In den 60er und 70er Jahren des 20ten Jahrhunderts erfolgte die Vollmotorisierung der Feuerwehren. Bis dahin waren die Feuerwehren im ländlichen Raum überwiegend mit Tragkraftspritzen ausgerüstet, die von Traktoren gezogen wurden. In dieser Zeit erweiterte sich auch das Aufgabenspektrum der Feuerwehren um die Technische Hilfe, den Chemieschutz und den Strahlenschutz. Die Ersatzbeschaffungen der damals erworbenen umfangreichen Einsatzmittel erfolgen derzeit und werden in den nächsten Jahren abzuschließen sein.

Die Ausbildung im Brand- und Katastrophenschutz kann insgesamt als gut bezeichnet werden. Die Aus- und Fortbildung wird als dreistufiges Verbundsystem zwischen den einzelnen Aufgabenträgern wahrgenommen, beginnend mit der Standortausbildung der Gemeinden über die Kreisausbildung der Landkreise bis hin zur zentralen Ausbildung des Landes an der Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Koblenz. Ergänzt wird dieses Angebot der öffentlichen Aufgabenträger durch Lehrgänge und Seminare an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des Bundes in Bad Neuenahr-Ahrweiler und durch den Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz, der zum Beispiel ein Fahrsicherheitstraining und Brandschutzerziehung anbietet.

Zukunftsweisende Wege hat die Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule mit einer modernen Form des Fernstudiums eingeschlagen: die Entwicklung von „eLearning“ und „blended learning“ im Rahmen des neuzeitlichen „eGovernments“.
Auch hinsichtlich der Einsatzkräfte ist die Bilanz grundsätzlich noch positiv. Die rund 55.000 Feuerwehrangehörige in den Einsatzabteilungen stellen mit den ungefähr 14.500 Helferinnen und Helfern der Sanitätsorganisationen und den 3.500 Helferinnen und Helfern des Technischen Hilfswerks den Brand- und Katastrophenschutz in Rheinland-Pfalz überwiegend als freiwillig-ehrenamtliche Helfer sicher. Dennoch fällt es den Gemeinden und Ortsvereinen oft schwer, die erforderliche Mannschaftsstärke aufzubieten und auch tagsüber die notwendige Fahrzeugbesetzung sicher zu stellen.

Diese Probleme sind erkannt und werden gemeinsam mit dem Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz e. V. und der Jugendfeuerwehr Rheinland-Pfalz angegangen. Hier kann und wird das Land nur unterstützend bei der „inneren Führung“ tätig werden, die in den Wehren selbst zu erfolgen hat. Zur Gewährleistung der Tagesalarmsicherheit  werden so genannte Alarmierungsverbünde bzw. -gemeinschaften, bestehend aus mehreren örtlichen Feuerwehr-Einheiten, geschaffen, die bei einem Brand oder Unfall gleichzeitig alarmiert werden und gemeinsam zum Einsatz ausrücken.

Die Gesamtkosten für die kommunalen Feuerwehren belaufen sich in Rheinland-Pfalz auf etwa 100 Mio. Euro im Jahr. Sie verteilen sich auf ca. 65 Mio. Euro für Investitionen und Kosten der Unterhaltung und auf ca. 35 Mio. Euro für Personalkosten der Berufsfeuerwehren und der Freiwilligen Feuerwehren mit hauptamtlichen bzw. hauptberuflichen Kräften. Die Kosten für das Feuerwehrwesen, bezogen auf einen einzelnen Bürger, betragen im Durchschnitt somit etwa 25 Euro im Jahr oder rund 2 Euro im Monat.

Autor: Hans-Peter Plattner Drucken voriges Kapitel nächstes Kapitel