Die Frauenbewegung nach der Wende

Der Einigungsvertrag wäre beinahe an einer Frauenfrage und -forderung, dem § 218, gescheitert. Man einigte sich auf folgende Formulierung: „Im Einigungsvertrag wird festgelegt, dass bis zum 31. Dezember 1992 eine gesamtdeutsche Regelung für Schwangerschaftsabbrüche gefunden werden muss. Bis dahin gilt in Ost- und Westdeutschland zweierlei Recht.“

Nach der Wiedervereinigung wurde die ostdeutsche Frauenbewegung zunächst durch die westdeutsche Frauenbewegung stark unterstützt, jedoch wurden bald unterschiedliche Sichtweisen und Empfindungen der beiden Seiten deutlich. Die ostdeutschen Frauen bezeichneten die westdeutschen Kolleginnen als „oft überheblich und besserwisserisch“, Vertreterinnen der westdeutschen Frauenbewegung warnten vor einem „möglichen frauenpolitischen Rückschritt im Zuge der Wiedervereinigung“. Eine schnelle Anpassung der ostdeutschen Frauenbewegung erfolgte durch die Gründung von Unterorganisationen der traditionellen Frauenverbände, die Errichtung von Kontakt- und Begegnungsstätten für Frauen, von Frauenhäusern, Mütterzentren sowie Betreuungsnetzwerken. Fast flächendeckend wurden Gleichstellungsstellen eingerichtet.