Die Frauenpolitik in der Deutschen Demokratischen Republik

1946 formulierte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), die als Zwangsvereinigung der Sozialdemokratischen und Kommunistischen Partei entstanden war, „Grundsätze und Ziele“, in denen die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz ohne Unterschied von Rasse und Geschlecht und die „Gleichberechtigung der Frau im öffentlichen Leben und Beruf“ gefordert wurde. 1949 wurde in der ersten Verfassung der DDR das Prinzip der Gleichberechtigung von Mann und Frau aufgenommen. Der 1947 gegründete Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD) sah seine Hauptaufgabe darin, „Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung für die Arbeit in der Produktion zu gewinnen“. Bis zur politischen Wende blieb der DFD die einzige offizielle Frauenorganisation der DDR. Mit einer Mitgliederzahl von 1,4 Millionen hatte er eine Zwitterstellung zwischen der Funktion, Mitgliederinteressen zu artikulieren, und der Funktion, Parteibeschlüsse und die marxistisch-leninistische Weitsicht bei den Mitgliedern zu propagieren. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in den Qualifikations-, Berufs-, Einkommens- und den politischen Teilnahmechancen wurden in der DDR stärker verringert als in der Bundesrepublik Deutschland, allerdings kam es auch in der DDR nicht zur Einlösung der politisch selbst gesteckten Forderung nach stärkerer, möglichst gleicher Partizipation der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen und auf allen Berufsebenen. Bestimmte Traditionen und Belastungsmomente konnten durch die sog. „Emanzipation von oben“ nicht verändert werden. Dazu gehörten z. B. die ungleiche Verteilung von hauswirtschaftlichen Arbeiten in der Familie bei gleichzeitig erhöhter Belastung durch Überbrückung von Versorgungsengpässen und sehr hohen Erwerbsarbeitszeiten trotz einer Arbeitszeitreduktion. In den 1980er Jahren nahm die Zahl der Kritikerinnen an der „Multipolitik“ der DDR zu, da die praktizierte Politik die vielfältigen Benachteiligungen der Frauen in der Gesellschaft, im Beruf und in der Familie (keine Chancengleichheit für Leitungsfunktionen, niedrige Lohntarife in Wirtschaftsbereichen mit hohem Frauenanteil, monotone Arbeitsplätze, schlechte Arbeitsbedingungen, unzureichender Wandel der traditionellen Männerrolle usw.) trotz zahlreicher Belege in der empirischen Forschung keine Aufmerksamkeit fanden. 1962 entstanden hauptsächlich unter dem Dach der Kirche die ersten von rd. 100 Frauengruppen. 1982 schlossen sich „Frauen für den Frieden“ aus Protest gegen das neue Wehrdienstgesetz zusammen. Am 8. Dezember 1989 kam es zur ersten Gründung eines „Zentrums für interdisziplinäre Frauenforschung (ZIF)“ an der Humboldt-Universität in Berlin, das sich im Gegensatz zu bisherigen wissenschaftlichen Beiräten mit der Befreiung der Frau nicht aus dem Blickwinkel der SED befasste. Die seit den 1980er Jahren entstandenen informellen Frauengruppierungen ermöglichten letztendlich die Gründung des „Unabhängigen Frauenverbandes (UFV)“ in der Zeit der Wende. Rund 1.200 Vertreterinnen von Frauengruppen und -initiativen waren am 3. Dezember 1989 dem „Aufruf an alle Frauen“ in die Berliner Volksbühne gefolgt. Auf diesem Kongress wurde der Beschluss gefasst, sich zu einer gemeinsamen politischen Interessenvertretung zusammenzuschließen. Offizieller Gründungstag war der 17. Februar 1990.