Die bürgerliche Frauenbewegung von 1894 bis 1933

Innerhalb des BDF bildete sich eine Trennung der radikalen Opposition von der gemäßigten Führung aus. So wandte sich z.B. der BDF gegen die „neue Ethik“ und den 1905 gegründeten „Bund für Mutterschutz und Sexualreform“, der erstmals eine Diskussion über Probleme der Sexualität in weite Kreise der Bevölkerung hineintrug, die freie Ehe proklamierte, sich für die unehelichen Mütter einsetzte und die Abschaffung des § 218 (Schwangerschaftsabbruch) forderte. In der Frage der verheirateten berufstätigen Mütter nahm der BDF insoweit eine konservative Haltung ein, als viele Frauen bereits nicht mehr zwischen der Alternative von Beruf und Familie wählen wollten, wie sie die organisierte Frauenbewegung vertrat. Gleichzeitig sahen sich jedoch die Angehörigen der bürgerlichen Frauenbewegung immer wieder öffentlich diffamiert, wenn sie die Probleme der Arbeitsteilung in der Familie lediglich thematisierten, ohne sie deswegen grundsätzlich infrage zu stellen. 1917 forderte der BDF die volle Mitbestimmung der Frauen und wurde unterstützt von mehreren politischen Parteien, die seit der Aufhebung des Vereinsverbots auch weibliche Mitglieder besaßen. Am 12. November 1918 erhielten die Frauen das Wahlrecht. Die Weimarer Verfassung schrieb erstmals gleiche Rechte und Pflichten für Männer und Frauen fest.