Ziele und Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege

Die Ziele und Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege haben sich in den vergangenen Jahrzehnte immer wieder gewandelt und weiterentwickelt. Anfangs standen der „klassische“ Schutz der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensräume als Lebensgrundlage für den Menschen im Mittelpunkt. Zunehmend gewannen der Schutz auch des Landschaftsbildes und der Landschaft als Erholungsraum an Bedeutung. Im modernen Verständnis geht es im Naturschutz über die vordergründigen Nützlichkeitsüberlegungen hinaus auch darum, Natur und Landschaft wegen ihres „An-Sich-Seins“ und ihres eigenen Wertes zu erhalten und zu schützen. Hinzu kommt schließlich die Ausrichtung auch auf zukünftige Generationen, was sich aus dem Grundprinzip der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung ableitet. Es sind also nicht nur die gegenwärtigen Nutzungsinteressen des Menschen, sondern auch die Interessen der kommenden Generationen im Blick zu halten. So soll beispielsweise dafür gesorgt werden, dass die Nutzung der erneuerbaren Naturgüter deren Regenerationsfähigkeit und nachhaltige Nutzungsfähigkeit nicht übersteigt und die Nutzung der nicht erneuerbaren Naturgüter sparsam und schonend erfolgt.

Der konkrete Auftrag ist es, Natur und Landschaft so zu schützen, zu pflegen, zu entwickeln und, soweit erforderlich, wiederherzustellen, dass

  1. die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts,
  2. die Regenerationsfähigkeit und nachhaltige Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
  3. die Tier- und Pflanzenwelt einschließlich ihrer Lebensstätten und Lebensräume sowie
  4. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft

auf Dauer zu gesichert sind.

Dabei gelten eine Reihe allgemeiner Grundsätze, denen zusammen mit den Zielen eine Steuerungsfunktion zukommen, d. h. sie sind Richtschnur und Gewichtungsregel für die Zielbestimmung und die naturschutzrechtliche Abwägung im konkreten Einzelfall. Sie bilden die gesetzliche Vorgabe der materiellen Inhalte des „gemeinen Wohls“ auf dem Gebiet des Naturschutzes und der Landschaftspflege, die im Einzelfall zu beachten und ggf. gegen andere Schutzgüter im Rahmen des Gemeinwohls abzuwägen sind (§ 2 Abs. 1 BNatSchG; § 2 Abs. 1 LNatSchG):

  • Schutz der wild lebenden Tiere und Pflanzen und ihrer Lebensgemeinschaften in ihrer natürlichen und historisch gewachsenen Artenvielfalt; Erhalt und Entwicklung der den Standort prägenden biologischen Funktionen und landschaftlichen Strukturen; keine nachhaltige Schädigung empfindlicher Bestandteile des Naturhaushalts;
  • Erhalt der Böden in ihrer Funktionen im Naturhaushalt; Vermeidung von Bodenerosion; Sicherung der Pflanzendecke und der Ufervegetation.
  • Erhalt und Entwicklung der natürlichen oder naturnahen Gewässer einschließlich ihrer Uferzonen sowie der natürlichen Rückhalteflächen; möglichst naturnaher Ausbau von Gewässern; Erhalt des Grundwasserspiegels für schutzwürdige (Feucht-)Biotope;
  • Vermeidung von Beeinträchtigungen des Klimas; zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien; Erhalt und Entwicklung von Gebieten mit günstiger (klein-)klimatischer Wirkung sowie von Luftaustauschbahnen
  • Erhalt und Entwicklung der biologischen Vielfalt an Lebensräumen und Lebensgemeinschaften, an Arten sowie an genetischer Vielfalt innerhalb der Arten;
  • Erhalt und Entwicklung noch vorhandener Naturbestände wie Wald, Hecken, Wegraine, Saumbiotope, Bachläufe, Weiher sowie sonstiger ökologisch bedeutsamer Kleinstrukturen im besiedelten Bereich;
  • Möglichst weitgehender Erhalt unbebauter Bereiche; ggf. Entsiegelung bzw. Renaturierung; Sparsamer und schonender Umgang mit Flächen;
  • Berücksichtigung der natürlichen Landschaftsstrukturen bei der Planung von ortsfesten baulichen Anlagen, Verkehrswegen, Energieleitungen und ähnlichen Vorhaben;
  • Sicherung der Landschaft als Teil der Lebensqualität der Bevölkerung sowie als Erlebnis- und Erholungsraum; Schaffung von Flächen als Spielraum und zur Naturerfahrung insbesondere für Kinder;
  • Beitrag des Naturschutzes zur nachhaltigen Entwicklung des Landes; Vermeidung nachteiliger Veränderungen für die Kulturlandschaft; Erhalt historischer Kulturlandschaften und -landschaftsteile von besonderer Eigenart;
  • Förderung des allgemeinen Verständnisses für die Ziele und Aufgaben des Naturschutzes und der Landschaftspflege durch Öffentlichkeitsarbeit.
Autor: Dr. Thomas Rätz Drucken nächstes Kapitel