Klärschlammverwertung

Aus der kommunalen Abwasserbeseitigung fallen landesweit etwa 85.000 t Klär-schlamm pro Jahr an (Trockensubstanz). 2014 wurden davon etwa zwei Drittel durch Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen verwertet, der übrige Anteil regelmäßig thermisch, d. h. im Wege der Verbrennung.

Klärschlämme sind wegen ihres relativ hohen Gehalts an Phosphor sowie wegen der humusbildenden organischen Substanz als Sekundärrohstoffdünger geeignet und – soweit sie die Vorgaben und Schadstoffgrenzwerte der Klärschlammverordnung (AbfKlärV) sowie der Düngemittelverordnung (DüMV) einhalten14 – dafür auch zugelassen.

Mit der Neufassung der Klärschlammverordnung sowie einer Verschärfung des landwirtschaftlichen Düngerechts wurden die Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Verwertung Ende 2017 erheblich verschärft. In der Folge steigen der Flächenbedarf und die Notwendigkeit der winterlichen Zwischenlagerung. Beides erschwert und verteuert die landwirtschaftliche Verwertung zunehmend. Hinzu kommt, dass diese bodenbezogene Verwertung für Klärschlämme aus großen Kläranlagen (über 50.000 EW) nur noch bis 2029 bzw. 2032 zulässig ist.

Daher werden künftig zusätzliche Anlagen für die thermische Verwertung erforderlich. Damit bei diesen Verfahren der im Klärschlamm enthaltene wertvolle Rohstoff Phosphor (Gehalt meist um die 5%) nicht verloren geht, verpflichtet die neue Klärschlammverordnung die Betreiber solcher Anlagen ab 2029 dazu, den Phosphor aus der Asche zurückzugewinnen. Die hierzu notwendigen Verfahren befinden sich noch in Entwicklung.

Um die Entsorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit der Klärschlammverwertung in Rheinland-Pfalz auch künftig sicherzustellen, haben sich die meisten kommunalen Abwasserbetriebe 2018 dazu entschieden, regional bzw. landesweit bei der Klärschlammverwertung zu kooperieren. Dazu wurde als landesweites Angebot für alle Aufgabenträger Ende 2017 die Kommunale Klärschlammverwertung RLP AöR (KKR) gegründet. Sie ist bis Ende 2020 auf rund 85 Aufgabenträger angewachsen. Diese hat sich über ihre Betriebsgesellschaft VKK GmbH ausreichende Kontingente in der neuen, rein kommunalen Klärschlammverbrennungsanlage der TVM GmbH in Mainz gesichert, die Mitte 2021 in den Regelbetrieb gehen wird. Alle Aufgabenträger im Bereich des ehemaligen RegBez Trier haben sich mit dem gleichen Ziel in der Kommunale Klärschlammverwertung Region Trier AöR (KRT) zusammengeschlossen; dort plant man den Bau weiterer Verbrennungskapazitäten. Daneben gibt es weitere regionale Verbünde, die teils dezentrale Verwertungsanlagen planen. Alle Verbünde wiederum kooperieren wechselseitig über entsprechende Kooperationsvereinbarungen, um über Redundanzen die Entsorgungssicherheit weiter zu erhöhen und die Kostenbelastung für die Entgeltzahler stabil zu halten.


14) Verordnung über die Verwertung von Klärschlamm, Klärschlammgemisch und Klärschlammkompost (Klärschlammverordnung - AbfKlärV) vom 27. September 2017 (BGBl. I S. 3465), in der jeweils geltenden Fassung
Verordnung über das Inverkehrbringen von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln (Düngemittelverordnung - DüMV) vom 5. Dezember 2012 (BGBl. I S. 2482), in der jeweils geltenden Fassung

Autor: Dr. Thomas Rätz Drucken voriges Kapitel
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