Kaskadenprinzip

Im Oberschwellenbereich ist das deutsche Vergaberecht dreistufig aufgebaut. Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkung (§§ 97 ff. GWB) regelt auf der Gesetzesebene (erste Stufe) ausschließlich für Auftragsvergaben oberhalb der EG-Schwellenwerte vorrangig die Durchsetzung des subjektiven Bieteranspruchs auf Durchführung ordnungsgemäßer Vergabeverfahren durch den Auftraggeber (Stichwort Primärrechtsschutz). Auf der Verordnungsebene (zweite Stufe) enthält die Vergabeverordnung (VGV), die ebenfalls nur oberhalb der EG-Schwellenwerte eingreift, insbesondere Regelungen über die Höhe der jeweiligen Schwellenwerte und über die Schätzung der Auftragswerte (§§ 2 und 3 VGV). Demgegenüber regeln die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB), die Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen (VOL) – beide kommen auch im Unterschwellenbereich zur Anwendung – als dritte Stufe des Vergaberechts die Durchführung des engeren formellen und materiellen Vergabeverfahrens.