Die ehrenamtliche Gefahrenabwehr durch Freiwillige

„Sie stopfen die Löcher!“ - So titelte eine große deutsche Wochenzeitung[1] einen Artikel über das bürgerschaftliche Engagement von Ehrenamtlichen in Deutschland. In diesem lesenswerten Beitrag widerlegen die Autoren eindeutig die Vorteile, dass die ganze Bevölkerung „Null Bock“ auf Leistung habe und in einem „Freizeitpark“ leben möchte. Vielmehr belegen sie, dass Bürgerinnen und Bürger anpacken wo es gilt. Etwa 29. Mio. Menschen- rund ein Drittel der Einwohner - engagieren sich in Deutschland regelmäßig freiwillig-ehrenamtlich, das heißt unentgeltlich! Ehrenamtler kümmern sich - vielfach unsichtbar – beispielsweise um den Umwelt- und Tierschutz, im Sozialdienst der Arbeiterwohlfahrt, der Diakonie und der Caritas, helfen Flüchtlingen, arbeiten in Suppenküchen und Kleiderkammern, sind Trainer in Sportvereinen oder engagieren sich in den Sanitätsorganisationen, im Technischen Hilfswerk und in den Freiwilligen Feuerwehren. Die Wurzeln der Freiwilligen Feuerwehren reichen bis in die Zeit des sogenannten „Vormärz“ in den 1840er-Jahren, als in Deutschland sich die Demokratiebewegung zu entwickeln begann. Die Freiwilligen Feuerwehren können durchaus als die älteste deutsche Bürgerinitiative betrachtet werden.

Ein Ehrenamt ist nicht nur gelebte Solidarität, sondern auch ein ökonomischer Kraftakt. Die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage aus dem Jahr 2020 hat für Nordrhein-Westfalen gezeigt, dass dort der durchschnittliche freiwillige Einsatz pro Person und Jahr einem Arbeitsmonat mit 40 Arbeitsstunden entspricht; bei einem durchschnittlichen Bruttoarbeitslohn entspricht das einem monetären Wert von jährlich 12,5 Mrd. €. Hochgerechnet auf ganz Deutschland entspricht das etwa einer beachtlichen jährlichen Leistung von rund 63 Mrd. €.

Die Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland zählen rund 1,1 Mio. Mitglieder. Zusätzlich gibt es noch etwa 35.000 Berufsfeuerwehrleute und 35.000 Werkfeuerwehrangehörige. Viele Feuerwehrbeamte in den Berufsfeuerwehren und Freiwilligen Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften verstehen ihren Beruf als Berufung und nicht nur als Profession zum Broterwerb. Dies gilt auch für einen Großteil der hauptberuflichen Werkfeuerwehrangehörigen. Doch bilden diese Berufsgruppen zusammen nur etwa 2 % des Personalbestandes der Feuerwehren in Rheinland-Pfalz, 98 % entfallen auf freiwillig-ehrenamtliche Feuerwehrangehörige. Dabei ist aber anzumerken, dass die hauptamtlichen und hauptberuflichen Einsatzkräfte jedoch einen großen Teil der Einsätze abwickeln, die sich auf die Oberzentren in den Ballungsgebieten konzentrieren.

Der Dienst in den Freiwilligen Feuerwehren ist eine besondere Art des Ehrenamtes. Folgend Wesensmerkmale zeichnet ihn aus:

  • Feuerwehrdienst beinhaltet ein besonderes Gefahrenpotential für Leib und Leben. Durch eine spezielle Ausbildung werden die Feuerwehrangehörigen mit den Gefahren der Einsatzstelle vertraut gemacht und zu einem sicheren Verhalten im Einsatz angehalten. Dennoch ist ein verbleibendes Restrisiko zu akzeptieren. Die freiwillig-ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen sind bereit dieses zu tragen.
  • Feuerwehrdienst stellt wichtigen Beitrag zur Inneren Sicherheit dar und dient der Gefahrenabwehr. Feuerwehrangehörige nehmen dabei hoheitliche Aufgaben wahr, weshalb die höheren Führungsdienstgrade der Freiwilligen Feuerwehr auch Ehrenbeamte sind.
  • Durch den freiwillig-ehrenamtliche Feuerwehrdienstdemonstriert der mündige Bürger, dass er bereit ist Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.

[1]Sie stopfen die Löcher. Null Bock auf Leistung? Deutschland ein Freizeitpark? Im Kampf gegen das Hochwaser beweisen Ehrenamtliche das Gegenteil - vor allem bei der Feuerwehr. In: DIE ZEIT. Nr. 3 vom 11. Januar 2024

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